Corona-Impfungen als Weg aus der COVID-19-Pandemie (Teil 1)

Die größten Hoffnungen auf ein Ende der Pandemie und die Rückkehr in einen normalen Alltag liegen auf COVID-19-Impfungen. Sie schützen vor schweren Krankheitsverläufen und dämmen die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus ein. Wie die nächsten Monate verlaufen, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Corona-Impfstoffe können den Weg aus der Pandemie und zur Herdenimmunität ebnen. Auch für Unternehmen sind COVID-19-Impfungen eine wichtige betriebliche Maßnahme. Foto: 30daysreplay-marketingberatung, unsplash.

Seit über einem Jahr hält die Corona-Pandemie die Welt in Schach und bestimmt unser Berufs- und Privatleben. Eine breite Verimpfung der COVID-19-Vakzine kann und soll den Wendepunkt der Pandemie einleiten. Werden Corona-Impfungen in den nächsten Monaten auch die Lage in Unternehmen entspannen? Wie wird sich die Situation in Bezug auf COVID-19-Impfungen in Betrieben entwickeln?

Gamechanger in der Pandemie: COVID-19-Impfungen

Ende Dezember 2020 ist die Impfkampagne in Deutschland angelaufen, bis 17. Mai haben über 9,5 Millionen Deutsche und damit 10,5 Prozent der Bevölkerung hierzulande eine Erstimpfung erhalten. In der EU zugelassen sind derzeit die vier Corona-Impfstoffe „Comirnaty” von Biontech/Pfizer, „COVID-19 Vaccine Moderna” von Moderna, „COVID-19 Vaccine AstraZeneca“ von AstraZeneca sowie „COVID-19 Vaccine Janssen” von Johnson & Johnson.

Gemeinschaftsschutz als Impfziel

Geimpfte Personen sind vor einer COVID-19-Erkrankung oder einem schweren Verlauf der Krankheit geschützt. Neben dem individuellen Impfschutz sollen Corona-Impfungen langfristig außerdem zum sogenannten Gemeinschaftsschutz und damit zur Eindämmung der Pandemie beitragen. Gemeinschaftsschutz oder Herdenimmunität bedeutet: Das Virus kann sich nicht mehr exponentiell verbreiten, wenn die Mehrheit der Menschen aufgrund einer Impfung oder durchgemachten COVID-19-Infektion immun gegen SARS-CoV-2-Viren ist. Eine solche sogenannte Herdenimmunität tritt jedoch nur ein, wenn genügend Personen in Deutschland den Impfschutz haben. Mathematische Modelle schätzen, dass grundsätzlich zwischen 60 und 70 Prozent der deutschen Bevölkerung immun sein müssen, damit ein solcher Gemeinschaftsschutz eintreten kann.

Nicht alle Menschen können sich überhaupt impfen lassen – etwa aus gesundheitlichen Gründen. Diese vulnerablen Gruppen lassen sich nur im Rahmen einer Herdenimmunität schützen. Daher gilt grundsätzlich: Die Impfbereitschaft muss in der Bevölkerung hoch sein, sonst lässt sich kein Gemeinschaftsschutz erreichen. Zehn Millionen Menschen gehören in Deutschland zu Gruppen, für die eine Corona-Impfung derzeit nicht empfohlen wird, wie beispielsweise Kinder. Auch für Schwangere gilt, dass individuelle Vorteile und Risiken vor einer Impfung sorgfältig abzuwiegen sind. Daher können von den 83 Millionen Menschen in Deutschland von vornherein höchstens 73 Millionen Menschen eine COVID-19-Impfung in Anspruch nehmen.

Erst, wenn eine große Anzahl dieser Menschen vollständig geimpft ist, hat das Virus immer weniger Chancen sich zu verbreiten. In der Folge kommen immer weniger Menschen überhaupt mit SARS-CoV-2-Viren in Berührung. Corona-Impfungen können somit einen entscheidenden Beitrag zum Ende der Pandemie leisten. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Corona-Impfstoffe künftig wesentlich schneller geliefert werden, sodass sich jeder Bundesbürger spätestens ab dem Sommer 2021 gegen COVID-19 impfen lassen kann. Ab wann der Großteil der Bevölkerung, der nicht zu den Risikogruppen gehört, eine Impfung erhalten kann, wird also eine entscheidende Rolle im Hinblick auf den Gemeinschaftsschutz spielen. Abgesehen von den Corona-Impfstofflieferungen ist aus Sicht der MEDISinn-Redaktion für ein schnelleres Vorankommen bei der deutschen Impfkampagne zentral, ab wann eine Impfung über die vorhandene Infrastruktur der Haus- und Betriebsärzte möglich sein wird.

MEDISinn berät bereits jetzt Unternehmen dabei, die kommunikativen und organisatorischen Voraussetzungen für betriebliche COVID-19-Impfaktionen zu schaffen und wird einen Corona-Impfservice für Unternehmen anbieten, sobald dies möglich ist. Mit diesem Corona-Impfservice können Betriebe ihren Arbeitnehmer/-innen ein freiwilliges Impfangebot machen. Eine Impfung trägt zum Impfschutz der Belegschaft und letztendlich auch zur Bevölkerungsimmunität bei.

Konzept Herdenimmunität: Sobald genug Menschen gegen COVID-19 geimpft sind, reduziert das Ansteckungen. Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, www.impfen-info.de
Vulnerable Gruppen und Ungeimpfte sind durch die Immunität der Mehrheit mit geschützt. Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, www.impfen-info.de

Voraussetzungen für eine Herdenimmunität in 2021

Ob sich das Impfziel der Herdenimmunität 2021 erreichen lässt – ob es länger dauert oder ob es unter Umständen sogar schneller gehen könnte – hängt von verschiedenen weiteren Faktoren ab und lässt sich zum jetzigen Stand nicht abschließend beurteilen:

Ausgangspunkt der Berechnungen ist die sogenannte Basisreproduktionszahl, auch Basis-R-Wert genannt. Die Basisreproduktionszahl R0 gibt an, wie viele Menschen eine mit COVID-19-infizierte Person im Schnitt ansteckt, wenn niemand immun ist und keinerlei Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Virus durchgeführt werden. Experten gehen davon aus, dass der Basis-R-Wert für das SARS-CoV-2-Virus bei etwa drei liegt, eine infizierte Person also durchschnittlich drei weitere ansteckt.

Auf Grundlage dieses Basis-R-Werts gehen Experten davon aus, dass etwa zwei Drittel der Bevölkerung – also 66 bis 67 Prozent der Deutschen – geimpft werden müssen, um das Ziel der Herdenimmunität zu erreichen. Das macht mindestens rund 55 Millionen Menschen aus.

Wie viele Impfdosen jedem Einzelnen gegeben werden müssen, um ihn erfolgreich zu immunisieren, spielt ebenso eine Rolle dabei, wie schnell die deutsche Impfkampagne vorankommt. Bei den bisher zugelassenen Corona-Vakzinen sind zwei Impfdosen im Abstand von einigen Wochen nötig. Der neue Vektor-Impfstoff der Firma Janssen, die zu Johnson & Johnson gehört, gibt hier wiederum Anlass zur Hoffnung: Einer Zwischenbilanz der Herstellerstudie gemäß ist nur eine Impfdosis nötig. Den Herstellerangaben zufolge verhindert das Corona-Vakzin 28 Tage nach nur einer Impfdosis insgesamt zu 66 Prozent moderate und schwere COVID-19-Erkrankungen. Betrachtet man allein schwere Erkrankungen über alle Altersgruppen der Studie hinweg, zeichnet sich ab, dass das Corona-Vakzin zu 85 Prozent schwere Krankheitsverläufe unterbindet.

Die Gesamtlage könnte sich jedoch auch bereits deutlich entspannen, bevor die Mehrheit der Deutschen mit teils neuen Corona-Vakzinen geimpft ist. Sobald alle Risikogruppen erfolgreich immunisiert sind, sollte die Zahl der schweren COVID-19-Fälle bereits deutlich zurückgehen. In der Folge wird das Gesundheitssystem entlastet, da COVID-19-Erkrankungen wesentlich weniger Krankenhausaufenthalte und Intensiv-Fälle nach sich ziehen. Der Virologe und Institutsdirektor an der Charité in Berlin Christian Drosten verweist in diesem Zusammenhang auf das Beispiel der Impfkampagne in Israel: Das Land verzeichnete bereits im Februar deutlich weniger Corona-bedingte Krankenhausaufenthalte in Altersgruppen, in denen bereits jeder Zweite geimpft war. Gemäß der Untersuchung einer Krankenkasse in Israel mit etwa 600.000 zweimal Geimpften erlitten Probanden dieser Gruppe zu 94 Prozent weniger symptomatische Infektionen als in der Kontrollgruppe noch nicht Geimpfter. Bei Menschen, die sich trotz Impfung infizierten, traten 92 Prozent weniger schwere Verläufe auf.

Eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung und Aufgabe: Herdenimmunität schützt gefährdete Gruppen, das Gesundheitssystem und die Wirtschaft vor der weiteren Ausbreitung von COVID-19. Direkte zwischenmenschliche Kontakte werden wieder möglich. Foto: Gerd Altmann, Pixabay.

Unsicherheitsfaktoren in Punkto Herdenimmunität

In Bezug auf den Gemeinschaftsschutz spielen noch einige Unsicherheitsfaktoren eine Rolle. So gibt es keinen einheitlichen Schwellenwert für die Herdenimmunität: „Wie viele Immune tatsächlich notwendig sind, damit dies [der Gemeinschaftsschutz; Anm. der Redaktion] funktioniert, hängt davon ab, wie ansteckend die jeweilige Erkrankung ist und wie gut die Impfung wirkt bzw. wie lange der Impfschutz anhält", erläutert ein Infoblatt des Robert Koch-Instituts (RKI). Auch die Dauer und Vollständigkeit der Immunität nach der Corona-Impfung bleiben noch unklar.

Ist eine „sterile Immunität” möglich?

Forscher untersuchen derzeit, inwiefern eine Übertragung von SARS-CoV-2-Viren auch nach einer Impfung noch möglich ist. Nur ein Impfschutz in Form einer sogenannten „sterilen Immunität” könnte gegebenenfalls eine asymptomatische Infektion, eine Übertragung von Viren und damit Ansteckung anderer Personen vollständig ausschließen. Eine durchgängige Herdenimmunität ließe sich nur durch Impfungen erreichen, die eine Übertragung zu etwa 70 Prozent verhindern. Die Frage nach der „sterilen Immunität” bleibt derzeit bei den COVID-19-Impfungen noch ungeklärt. Erste (keineswegs abschließende!) Daten der Impfstoffhersteller deuten allerdings darauf hin, dass die Corona-Impfstoffe die Übertragung im besten Fall um 76 Prozent reduzieren können, während sie schwere Verläufe zu 95 Prozent verhindern.

Eine noch unveröffentlichte Studie des israelischen Gesundheitsministeriums zum Biontech/Pfizer-Impfstoff hat ergeben, dass das Corona-Vakzin die Übertragung zu 89,4 Prozent verhindert kann, asymptomatische Ansteckungen mit eingeschlossen. Das berichten verschiedene Medien. Bis weitere Untersuchungsergebnisse zur Übertragbarkeit vorliegen, bleiben Hygiene- und Schutzmaßnahmen auch für Geimpfte weiterhin bestehen. Das gilt auch für die Sicherheitsmaßnahmen in Unternehmen und Homeoffice-Regelungen.

Dunkelziffer durchgemachter COVID-19-Infektionen

Ein kleiner Teil der Bevölkerung hat nach einer durchgemachten COVID-19-Infektion eine zumindest vorübergehende Immunität und trägt zur Herdenimmunität bei. Wie viele Menschen das sind, ist aber sehr schwierig abzuschätzen. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer bereits durchgemachter Infektionen hierzulande sehr niedrig ist. Erste Studien dazu legen nahe, dass die Zahlen der nicht erfassten COVID-19-Infektionen in Deutschland im einstelligen Prozentbereich liegen. Offiziell erfasst wurden bisher mit rund 2,4 Millionen COVID-19-Fällen unter 3 Prozent der Menschen in der Bundesrepublik. Von Durchseuchung, also einer natürlichen Immunisierung der deutschen Bevölkerung, ist die derzeitige Lage also sehr weit entfernt.

Eine Impfung für Kinder und Jugendliche ist für das Erreichen der Herdenimmunität auch wichtig. Die Corona-Impfstoffhersteller haben bereits mit entsprechenden Studien begonnen oder bereiten diese vor. Wann die etwa 14 Millionen Kinder und Heranwachsenden in Deutschland geimpft werden können, steht noch nicht fest.

Lesen Sie hier in Teil 2 des Artikels, wie sich die drei neuen Mutationen des SARS-CoV-2-Virus auf die Impfungen und die Herdenimmunität auswirken und was das für COVID-19-Impfungen in Betrieben bedeutet.

Sobald konkretere Prognosen möglich sind, informieren wir Sie an dieser Stelle darüber.

Vorbereitung auf einen Corona-Impfservice in Betrieben

Auch wenn es noch etwas dauern wird, bis ein Impfschutz der Arbeitnehmer/-innen in den Firmen möglich ist, können Arbeitgeber auch jetzt schon einige Vorkehrungen ergreifen. Weiterhin gilt es, die Hygiene- und Schutzmaßnahmen einzuhalten, um Infektionsketten zu unterbrechen und die Ausbreitung des Coronavirus im Betrieb zu verhindern. Regelmäßige Coronatests sind eine große Hilfe, um Infektionen zu erkennen und die Ansteckung weiterer Arbeitnehmer/-innen zu unterbinden.

Arbeitgeber können bereits jetzt ihre Mitarbeiter/-innen über die COVID-19-Impfung informieren und zur Aufklärung bei diesem sensiblen Thema beitragen. Einige Arbeitnehmer/-innen können eventuell schon früher eine COVID-19-Impfung erhalten, weil sie zu den priorisierten Gruppen gehören. Das kann der Fall sein bei Vorerkrankungen, aufgrund des Alters oder weil sie enge Kontaktpersonen von gefährdeten Personen sind.

Als Arbeitgeber ist es sinnvoll, sich auf dem aktuellen Stand zu halten, was COVID-19-Impfungen für Mitarbeiter/-innen angeht und gegebenenfalls erste Vorbereitungen für einen Corona-Impfservice im Unternehmen zu treffen. Wichtige organisatorische Punkte, die bei einem Corona-Impfservice im Betrieb zu beachten sind, sind die Information der Mitarbeiter/-innen, die Vergabe zur Impftermine, die Beschaffung der Corona-Impfstoffe, die Aufklärung der Impflinge und die Durchführung der Impfung. Ab dem 7. Juni dürfen gemäß den Vorgaben des Gesundheitsministeriums auch Betriebsärzte/-innen COVID-19-Impfungen in Unternehmen durchführen, um die Impfaktion zu unterstützen. Betriebsmediziner/-innen kennen die Mitarbeiter/-innen und die entsprechenden Abläufe sind durch die jährliche Grippeschutzimpfung erprobt und bewährt.


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Stand des Artikels: 18.05.2021
Die Autorin

Lucia Walter

MEDISinn Online-Redaktion
Die Autorin

Hildegard Lillin

MEDISinn Online-Redaktion

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