Corona-Impfungen als Weg aus der COVID-19-Pandemie (Teil 1)

Die größten Hoffnungen auf ein Ende der Pandemie und die Rückkehr in einen normalen Alltag liegen auf COVID-19-Impfungen. Sie schützen vor schweren Krankheitsverläufen und dämmen die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus ein. Wie die nächsten Monate verlaufen, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

COVID-19-Impfstoffe können den Weg aus der Corona-Pandemie ebnen. Die Frage, wann Deutschland eine sogenannte Herdenimmunität erreichen kann, bleibt akut. Foto: 30daysreplay-marketingberatung, unsplash.

Teil 1 des Artikels, Teil 2 zu den Folgen der Mutationen auf die Herdenimmunität lesen Sie hier.

Seit einem Jahr hält die Corona-Pandemie die Welt in Schach und bestimmt unser Berufs- und Privatleben. Eine breite Verimpfung der COVID-19-Vakzine kann und soll den Wendepunkt der Pandemie einleiten. Werden Impfungen in den nächsten Monaten auch die Lage in Unternehmen entspannen?

Gamechanger in der Pandemie: COVID-19-Impfungen

Ende Dezember 2020 ist die Impfkampagne in Deutschland angelaufen, bis 21. Februar haben etwa 4 Prozent der Deutschen eine Erstimpfung erhalten. In der EU zugelassen sind derzeit die drei Impfstoffe „Comirnaty” von Biontech/Pfizer, „COVID-19 Vaccine Moderna” von Moderna und „COVID-19 Vaccine AstraZeneca“ von AstraZeneca. Am 16. Februar hat nun auch der Hersteller Janssen, der zum US-Konzern Johnson & Johnson gehört, einen Zulassungsantrag für seinen Vektorimpfstoff bei der European Medicines Agency (EMA) gestellt.

Gemeinschaftsschutz als Impfziel

Geimpfte Personen sind vor einer COVID-19-Erkrankung oder einem schweren Verlauf der Krankheit geschützt. Langfristig sollen Impfungen außerdem zum sogenannten Gemeinschaftsschutz und damit zur Eindämmung der Pandemie beitragen. Gemeinschaftsschutz oder Herdenimmunität bedeutet: Das Virus kann sich nicht mehr exponentiell verbreiten, wenn die Mehrheit der Menschen aufgrund einer Impfung oder durchgemachten COVID-19-Infektion immun gegen SARS-CoV-2-Viren ist. Eine solche sogenannte Herdenimmunität tritt jedoch nur ein, wenn sich genügend Personen in Deutschland impfen lassen. Mathematische Modelle schätzen, dass grundsätzlich zwischen 60 und 70 Prozent der deutschen Bevölkerung immun sein müssen, damit ein solcher Gemeinschaftsschutz eintreten kann.

Nicht alle Menschen können sich überhaupt impfen lassen – etwa aus gesundheitlichen Gründen. Diese vulnerablen Gruppen lassen sich nur im Rahmen einer Herdenimmunität schützen. Daher gilt grundsätzlich: Die Impfbereitschaft muss in der Bevölkerung hoch sein, sonst lässt sich kein Gemeinschaftsschutz erreichen. Zehn Millionen Menschen gehören in Deutschland zu Gruppen, für die eine Impfung derzeit nicht empfohlen wird, wie beispielsweise Kinder. Auch für Schwangere gilt, dass individuelle Vorteile und Risiken vor einer Impfung sorgfältig abzuwiegen sind. Daher können von den 83 Millionen Menschen in Deutschland von vornherein höchstens 73 Millionen Menschen eine COVID-19-Impfung in Anspruch nehmen.

Erst, wenn eine große Anzahl dieser Menschen vollständig geimpft ist, hat das Virus immer weniger Chancen sich zu verbreiten. In der Folge kommen immer weniger Menschen überhaupt mit SARS-CoV-2-Viren in Berührung. Impfungen können somit einen entscheidenden Beitrag zum Ende der Pandemie leisten. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Impfstoffe künftig wesentlich schneller geliefert werden, sodass sich jeder Bundesbürger spätestens ab dem Sommer 2021 gegen COVID-19 impfen lassen kann. Ab wann der Großteil der Bevölkerung, der nicht zu den Risikogruppen gehört, eine Impfung erhalten kann, wird also eine entscheidende Rolle im Hinblick auf den Gemeinschaftsschutz spielen. Abgesehen von den Impfstofflieferungen ist aus Sicht der MEDISinn-Redaktion für ein schnelleres Vorankommen bei der deutschen Impfkampagne zentral, ab wann eine Impfung über die vorhandene Infrastruktur der Haus- und Betriebsärzte möglich sein wird. MEDISinn berät bereits jetzt Unternehmen dabei, die kommunikativen und organisatorischen Voraussetzungen für betriebliche COVID-19-Impfaktionen zu schaffen.

Konzept Herdenimmunität: Sobald genug Menschen gegen COVID-19 geimpft sind, reduziert das Ansteckungen. Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, www.impfen-info.de
Vulnerable Gruppen und Ungeimpfte sind durch die Immunität der Mehrheit mit geschützt. Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, www.impfen-info.de

Voraussetzungen für eine Herdenimmunität in 2021

Ob sich das Impfziel der Herdenimmunität 2021 erreichen lässt – ob es länger dauert oder ob es unter Umständen sogar schneller gehen könnte – hängt von verschiedenen weiteren Faktoren ab und lässt sich zum jetzigen Stand nicht abschließend beurteilen:

Ausgangspunkt der Berechnungen ist die sogenannte Basisreproduktionszahl, auch Basis-R-Wert genannt. Die Basisreproduktionszahl R0 gibt an, wie viele Menschen eine mit COVID-19-infizierte Person im Schnitt ansteckt, wenn niemand immun ist und keinerlei Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Virus durchgeführt werden. Experten gehen davon aus, dass der Basis-R-Wert für das SARS-CoV-2-Virus bei etwa drei liegt, eine infizierte Person also durchschnittlich drei weitere ansteckt.

Auf Grundlage dieses Basis-R-Werts gehen Experten davon aus, dass etwa zwei Drittel der Bevölkerung – also 66 bis 67 Prozent der Deutschen – geimpft werden müssen, um das Ziel der Herdenimmunität zu erreichen. Das macht mindestens rund 55 Millionen Menschen aus.

Wie viele Impfdosen jedem Menschen gegeben werden müssen, um ihn erfolgreich zu immunisieren, spielt ebenso eine Rolle dabei, wie schnell die deutsche Impfkampagne vorankommt. Bei den bisher zugelassenen COVID-19-Vakzinen sind zwei Impfdosen im Abstand von einigen Wochen nötig. Der neue Vektor-Impfstoff der Firma Janssen, die zu Johnson & Johnson gehört, gibt hier wiederum Anlass zur Hoffnung: Einer Zwischenbilanz der Herstellerstudie gemäß ist nur eine Impfdosis nötig. Den Herstellerangaben zufolge verhindert das Vakzin 28 Tage nach nur einer Impfdosis insgesamt zu 66 Prozent moderate und schwere COVID-19-Erkrankungen. Betrachtet man allein schwere Erkrankungen über alle Altersgruppen der Studie hinweg, zeichnet sich ab, dass das Vakzin zu 85 Prozent schwere Krankheitsverläufe unterbindet.

Die Gesamtlage könnte sich jedoch auch bereits deutlich entspannen, bevor die Mehrheit der Deutschen mit teils neuen Vakzinen geimpft ist. Sobald alle Risikogruppen erfolgreich immunisiert sind, sollte die Zahl der schweren COVID-19-Fälle bereits deutlich zurückgehen. In der Folge wird das Gesundheitssystem entlastet, da COVID-19-Erkrankungen wesentlich weniger Krankenhausaufenthalte und Intensiv-Fälle nach sich ziehen. Der Virologe und Institutsdirektor an der Charité in Berlin Christian Drosten verweist in diesem Zusammenhang auf das Beispiel der Impfkampagne in Israel: Das Land verzeichnet bereits im Februar deutlich weniger Corona-bedingte Krankenhausaufenthalte in Altersgruppen, in denen bereits jeder Zweite geimpft war. Gemäß der Untersuchung einer Krankenkasse in Israel mit etwa 600.000 zweimal Geimpften erlitten Probanden dieser Gruppe zu 94 Prozent weniger symptomatische Infektionen als in der Kontrollgruppe noch nicht Geimpfter. Bei Menschen, die sich trotz Impfung infizierten, traten 92 Prozent weniger schwere Verläufe auf.

Eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung und Aufgabe: Herdenimmunität schützt gefährdete Gruppen, das Gesundheitssystem und die Wirtschaft vor der weiteren Ausbreitung von COVID-19. Direkte zwischenmenschliche Kontakte werden wieder möglich. Foto: Gerd Altmann, Pixabay.

Unsicherheitsfaktoren in Punkto Herdenimmunität

In Bezug auf den Gemeinschaftsschutz spielen noch einige Unsicherheitsfaktoren eine Rolle. So gibt es keinen einheitlichen Schwellenwert für die Herdenimmunität: „Wie viele Immune tatsächlich notwendig sind, damit dies [der Gemeinschaftsschutz; Anm. der Redaktion] funktioniert, hängt davon ab, wie ansteckend die jeweilige Erkrankung ist und wie gut die Impfung wirkt bzw. wie lange der Impfschutz anhält", erläutert ein Infoblatt des Robert Koch-Instituts (RKI). Auch die Dauer und Vollständigkeit der Immunität nach der Impfung bleiben noch unklar.

Ist eine „sterile Immunität” möglich?

Forscher untersuchen derzeit, inwiefern eine Übertragung von SARS-CoV-2-Viren auch nach einer Impfung noch möglich ist. Nur eine sogenannte „sterile Immunität” könnte gegebenenfalls eine asymptomatische Reinfektion, eine Übertragung von Viren und damit Ansteckung anderer Personen vollständig ausschließen. Eine durchgängige Herdenimmunität ließe sich nur durch Impfungen erreichen, die eine Übertragung zu etwa 70 Prozent verhindern. Die Frage nach der „sterilen Immunität” bleibt derzeit bei den COVID-19-Impfungen noch ungeklärt. Erste (keineswegs abschließende!) Daten der Impfstoffhersteller deuten allerdings darauf hin, dass die Impfstoffe die Übertragung im besten Fall um 76 Prozent reduzieren können, während sie schwere Verläufe zu 95 Prozent verhindern.

Eine noch unveröffentlichte Studie des israelischen Gesundheitsministeriums zum Biontech/Pfizer-Impfstoff hat ergeben, dass das Vakzin die Übertragung zu 89,4 Prozent verhindert kann, asymptomatische Ansteckungen mit eingeschlossen. Das berichten verschiedene Medien. Bis weitere Untersuchungsergebnisse zur Übertragbarkeit vorliegen, bleiben Hygiene- und Schutzmaßnahmen auch für Geimpfte weiterhin bestehen. Das gilt auch für die Sicherheitsmaßnahmen in Unternehmen und Homeoffice-Regelungen.

Dunkelziffer durchgemachter COVID-19-Infektionen

Ein kleiner Teil der Bevölkerung hat nach einer durchgemachten COVID-19-Infektion eine zumindest vorübergehende Immunität und trägt zur Herdenimmunität bei. Wie viele Menschen das sind, ist aber sehr schwierig abzuschätzen. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer bereits durchgemachter Infektionen hierzulande sehr niedrig ist. Erste Studien dazu legen nahe, dass die Zahlen der nicht erfassten COVID-19-Infektionen in Deutschland im einstelligen Prozentbereich liegen. Offiziell erfasst wurden bisher mit rund 2,4 Millionen COVID-19-Fällen unter 3 Prozent der Menschen in der Bundesrepublik. Von Durchseuchung, also einer natürlichen Immunisierung der deutschen Bevölkerung, ist die derzeitige Lage also sehr weit entfernt.

Eine Impfung für Kinder und Jugendliche ist für das Erreichen der Herdenimmunität auch wichtig. Die Impfstoffhersteller haben bereits mit entsprechenden Studien begonnen oder bereiten diese vor. Wann die etwa 14 Millionen Kinder und Heranwachsenden in Deutschland geimpft werden können, steht noch nicht fest.

Lesen Sie hier in Teil 2 des Artikels, wie sich die drei neuen Mutationen des SARS-CoV-2-Virus auf die Impfungen und die Herdenimmunität auswirken und was das für betriebliche Impfangebote bedeutet.

Sobald konkretere Prognosen möglich sind, informieren wir Sie an dieser Stelle darüber.

Stand des Artikels: 23.02.2021

Die Autorin

Lucia Walter

MEDISinn Online-Redaktion
Die Autorin

Hildegard Lillin

MEDISinn Online-Redaktion

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