So geht nachhaltiges BGM: Tipps für Unternehmen

Immer mehr Unternehmen investieren in die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass sich BGM-Maßnahmen im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen – und das oft schon kurzfristig. Über die Vorteile von BGM, die richtige Vorgehensweise bei der Implementierung und aktuelle Herausforderungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Unternehmen haben den Wert ihrer Mitarbeitenden erkannt und setzen darum auf deren Gesundheit.
  • BGM-Maßnahmen zahlen sich auch in Zahlen aus: Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist äußerst positiv.
  • Ein gesteigerter Umsatz und Aktienwert sowie eine geringere Fluktuation können Ergebnis erfolgreicher BGM-Maßnahmen sein.
  • Auch für das Employer Branding spielen die Maßnahmen heutzutage eine wesentliche Rolle.
  • Nachhaltiges BGM muss das Top-Management einbeziehen.
  • BGM-Maßnahmen müssen ans New Normal angepasst sein und sowohl digital als auch in Präsenz Lösungen bieten.
Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) zahlt sich aus: Unternehmen, die in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter:innen investieren, profitieren nicht nur wirtschaftlich. Bildquelle: istock/ALotOfPeople

Bio-Müsli zum Frühstück, Online-Rückenkurse in der Mittagspause und Yoga-Sessions zum Feierabend – viele Unternehmen bieten ihren Teams heutzutage umfangreiche Gesundheitsangebote an. Getreu dem Motto: Gesunde Mitarbeitende sind unser höchstes Gut. Zu dieser Entwicklung beitragen hat auch die andauernde Corona-Pandemie, die uns vor Augen führt, wie wichtig das Thema Gesundheit im Allgemeinen ist, aber auch wie sehr das „New Normal“ in der Arbeitswelt mit Dauer-Homeoffice die psychische Gesundheit der Arbeitnehmer:innen herausfordert. Den Bedeutungszuwachs von BGM für Unternehmen bestätigt Oliver Walle, Geschäftsführer der Health 4 Business GmbH und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes BGM (BBGM): „Unternehmen machen heute nicht in erster Linie BGM, weil die Fehlzeiten hoch sind oder weil es angesagt ist, sondern zunehmend, weil sie den Wert des Mitarbeiters erkannt haben.“

Das sind die Vorteile von BGM

Trotzdem stecken hinter dem BGM-Boom keineswegs nur altruistische Motive. Vielmehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass BGM-Maßnahmen konkrete – mit Zahlen belegbare – Vorteile für Unternehmen erzielen. So zeigt zum Beispiel ein Report der „Initiative Gesundheit und Arbeit“ (iga) von 2015, der dafür rund 2.400 Studien ausgewertet hat, dass krankheitsbedingte Fehlzeiten durch betriebliche Gesundheitsförderung um ein Viertel reduziert werden können. Und das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist dabei äußerst positiv: Mit jedem investierten Euro können im Ergebnis rund 2,70 Euro durch reduzierte Fehlzeiten eingespart werden.

Angesichts der Tatsache, dass die Krankheitstage in Deutschland von 2008 bis 2018 um 37 Prozent auf 449 Millionen Tage gestiegen sind, ist dies alles andere als eine Randnotiz für Unternehmen. Wie die Unternehmensberatung Roland Berger in einer gemeinsamen Studie mit dem Klinikbetreiber Asklepios festgestellt hat, gibt es noch weitere Vorteile eines effektiven betrieblichen Gesundheitsmanagements für Unternehmen, die sich auszahlen: Demnach steigt der Aktienwert um 76 Prozent, der Umsatz pro Mitarbeiter:in um 11 Prozent und die Fluktuation reduziert sich um 40 Prozent.

Eine Studie zeigt den wirtschaftlichen Mehrwert für Unternehmen, der durch betriebliches Gesundheitsmanagement entsteht: Nicht nur steigt der Aktienwert um rund 76%, auch die Fluktuation der Mitarbeiter:innen reduziert sich um 40%. Bild- und Informationsquelle: Roland Berger

Die Zahlen sprechen also eine eindeutige Sprache: BGM-Investitionen lohnen sich – und das in jeglicher Hinsicht. Hinzu kommen noch weitere Vorteile für Betriebe und ihre Mitarbeitenden – zum Beispiel:

  • eine Verringerung der Arbeitsbelastung
  • eine ganzheitliche Gesundheitsprävention
  • eine Steigerung der Produktivität und Leistungsfähigkeit der Belegschaft
  • eine Erhöhung der Arbeitszufriedenheit und eine Verbesserung des Betriebsklimas
Zusätzlich zu wirtschaftlichen Vorteilen, bewirken Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements auch eine verbesserte Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter:innen, verringerte Krankheitskosten sowie eine verbesserte Positionierung am Arbeitsmarkt. Bild- und Informationsquelle: Roland Berger

BGM als Trumpf im Employer Branding

Darüber hinaus wird nachhaltiges BGM in Zeiten des Fachkräftemangels auch ein entscheidender Faktor im Employer Branding und im Wettbewerb um die besten Talente. Wie die Studie „Junge Deutsche 2019“ zeigt, ist Gesundheit für die Generationen Y und Z der mit Abstand wichtigste Wert. Diese Altersgruppen verstehen darunter ein Leben ohne Einschränkungen, bei dem sich Körper und Geist gut anfühlen. Von ihrem Arbeitgeber erwarten die 14- bis 39-Jährigen einen gesunden Arbeitsplatz, Präventionsangebote in den Bereichen Sport, Ernährung und mentale Gesundheit, sowie generell die Vermeidung von Gefahren am Arbeitsplatz. Kurzum: ein umfangreiches BGM-Angebot, das die körperliche Gesundheit und das psychische Wohlbefinden fördert. Insofern sind die Unternehmen im Vorteil, die ein glaubwürdiges und nachhaltiges BGM anbieten und infolgedessen auf den – immer wichtiger werdenden – Arbeitgeberbewertungsportalen wie Kununu mit einer hohen Mitarbeiterzufriedenheit und einer geringen Fluktuation punkten können.

Nachhaltiges und erfolgreiches BGM aufbauen – so geht’s

Wie baut man aber nun ein nachhaltiges und erfolgreiches BGM auf? Bei der Implementierung kommt es insbesondere auf einen ganzheitlichen Ansatz an – im Sinne eines Corporate Health Managements. Wichtig ist es zunächst, dass das Top-Management und die Führungskräfte ein Bewusstsein dafür entwickeln, welchen Beitrag gutes Gesundheitsmanagement zum Unternehmenserfolg leisten kann. Folgendes Vorgehen ist nach Einschätzung von BGM-Experte Oliver Walle sinnvoll, wenn ein Unternehmen ein BGM aufsetzen will:

  1. An erster Stelle steht die selbstkritische Erhebung des Status quo: Walle empfiehlt „zu Beginn die tatsächlichen Bedarfe im Unternehmen zu prüfen – man muss nicht immer das Vollprogramm wählen“. Heißt: Interne Themen wie Krankenstände, Unfälle, Fluktuation oder die Altersstruktur im Betrieb sollten einer Prüfung unterzogen werden. Eine psychische Gefährdungsbeurteilung kann hier zum Beispiel ein hilfreiches Instrument sein, um die Probleme im Unternehmen klarer zu identifizieren. Aber auch übergeordnete Themen wie der demografische Wandel, die Arbeitgeberattraktivität oder auch die veränderten Wertevorstellungen der Generationen Y und Z sollten mit dem Ist-Zustand im Unternehmen abgeglichen werden. Im Sinne einer Risikoanalyse sollte dann die Frage erfolgen: Was ist, wenn wir uns diesen Herausforderungen nicht stellen?
  2. Auf Grundlage dieser Bestandsaufnahme können Unternehmen nun die Punkte herausarbeiten, an denen das eigene BGM ausgerichtet werden soll. Grob könnten dabei, so Walle, zwei Richtungen unterschieden werden: „Ein BGM, das den Fokus auf die Arbeitgeberattraktivität und eine entsprechende gesundheitsförderliche Unternehmenskultur legt, ist die eine Richtung. Die andere: ein BGM, das sich auf die Fehlzeitenoptimierung konzentriert und die Frage, wie die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten bis zur Rente erhalten bleibt.” Bei der Konzeption eines neuen, ganzheitlichen Gesundheitsprogramms sollten auch externe Akteure beteiligt werden. Unterstützung erhalten Unternehmen allen voran durch die gesetzlichen Krankenkassen, die den Auftrag haben, Leistungen zur präventiven Gesundheitsförderung in Betrieben zu erbringen und die Umsetzung in den Unternehmen zu begleiten. Gefördert werden zum Beispiel Bewegungsprogramme, Ernährungsberatungen, Stressbewältigungskurse oder auch Angebote zur Suchtprävention.
  3. Hat man sich nun als Unternehmen für bestimmte BGM-Maßnahmen entschieden, gilt es diese konsequent umzusetzen und mit einer laufenden Erfolgskontrolle – anhand vorab definierter Kennzahlen – zu begleiten. Walle empfiehlt hierfür den etablierten “PDCA-Zyklus”, ein universelles Modell zur Optimierung von Managementsystemen, Maßnahmen und Prozessen in Unternehmen. Dieser besteht aus vier sich wiederholenden Phasen: Maßnahmen planen, durchführen, prüfen und verbessern.

BGM im New Normal – die wichtigsten Trends

Das „New Normal“ in der Arbeitswelt – mit zunehmender Remote-Arbeit und verstärkter Digitalisierung – hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf das BGM von Unternehmen. Denn wie etwa eine Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit aus dem Jahr 2021 zeigt, bringt die Arbeit im Homeoffice bei allen Vorteilen auch gesundheitliche Risiken mit sich. Insofern müssen sich BGM-Maßnahmen auf die neuen Realitäten einstellen. Für das BGM ergeben sich vor allem vier große Herausforderungen:

  1. Das hybride Arbeiten wird der neue Normalzustand sein. Wichtige Fragen für das BGM sind hier auf der einen Seite, wie beispielsweise neue Bürokonzepte mit Desk-Sharing so gestaltet werden, dass sich Mitarbeitende auch wohl fühlen und gerne ins Büro kommen. Auf der anderen Seite haben die beiden vergangenen Jahre offenbart, dass die ergonomische Ausstattung des Arbeitsplatzes in den eigenen vier Wänden oft mangelhaft ist. Hier gilt es die Belegschaft entsprechend zu schulen, damit es zu keinen gesundheitlichen Beschwerden kommt.
  2. BGM-Maßnahmen müssen eine sinnvolle Kombination von Präsenz- und digitalen Lösungen darstellen. Wie der Digitalisierung insgesamt hat die Corona-Pandemie auch den digitalen BGM-Maßnahmen einen Schub verliehen. Angebote wie digitale Gesundheitstage oder Online-Pilates-Kurse haben gezeigt, dass vieles auch virtuell gut möglich ist. Nun kommt es auf eine sinnvolle Verzahnung von On- und Offline-Maßnahmen an. Sicher ist: Präsenzveranstaltungen werden auch in Zukunft ihren Platz haben, allein schon deshalb, weil die zwischenmenschlichen Kontakte unersetzbar sind. Gleichzeitig bieten digitale Lösungen wie Apps oder Gamification-Anwendungen großes Potenzial, da sie individuell sowie zeit- und ortsungebunden einsetzbar sind.
  3. Neben hybriden sind schließlich auch vermehrt personalisierte BGM-Maßnahmen gefragt. Je nach Zielgruppe – zum Beispiel jüngere oder ältere Beschäftigte – muss die Belastungssteuerung entsprechend angepasst werden. Ein breites Angebot an BGM-Maßnahmen hilft zudem, dass sich alle Zielgruppen darin wiederfinden und entsprechend abgeholt werden. „One size fits all“ funktioniert im BGM leider nicht.
  4. Angebote für mentale Gesundheit werden wichtiger denn je: Wie beispielsweise der TK-Gesundheitsreport 2021 zeigt, hat die andauernde Pandemie-Situation dazu geführt, dass Beschäftigte psychisch stark belastet sind. Zu den Hauptbelastungsfaktoren gehören fehlende persönliche Treffen (89 Prozent) und mehr Stress am Arbeitsplatz (49 Prozent). Teambuilding-Maßnahmen aber auch Kurse zur Stressbewältigung oder zur Stärkung der Resilienz erscheinen angesichts dieser Zahlen unverzichtbar.

Fazit

Der Stellenwert von BGM für Unternehmen kann heutzutage gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Zu offensichtlich sind die vielen Vorteile, die ein nachhaltiges BGM mit sich bringt – für die Belegschaft, aber nicht zuletzt auch für den Betrieb selbst. Erfolgreich ist BGM aber nur dann, wenn es sorgfältig und nachhaltig aufgesetzt wird und Lösungen für die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt parat hat.


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Stand des Artikels: 18.03.2022
Die Autorin

Alina Nagel

MEDISinn-Redaktion

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