Grippeimpfung – warum sie diesen Winter besonders wichtig ist

Einige Mediziner/-innen befürchten in diesem Winter eine besonders heftige Grippewelle – eine Art Nachholeffekt gegenüber dem Winter 2020. Mit einer Influenza-Impfung kann sich jeder gut schützen. Wie Betriebsärzte/-innen einen wesentlichen Beitrag zur Impfquote leisten, was es mit den neuen Influenza-Hochdosisimpfstoffen auf sich hat und wie Experten Parallelimpfungen mit SARS-CoV-2-Impfstoffen bewerten, erfahren sie hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nachdem die Grippe im vergangenen Winter weitgehend ausgefallen ist, könnte sie in den kommenden Monaten umso heftiger sein.
  • Entsprechend wichtig könnte die Influenza-Impfung in diesem Jahr sein.
  • Wird die Impfung auch im Unternehmen von Betriebsärzten/-ärztinnen angeboten, kann dies die Impfbereitschaft fördern.
Die Grippesaison könnte uns in diesem Winter besonders hart treffen. Deshalb raten Experten zu der Influenza-Impfung. Betriebsmediziner/-innen können dies unterstützen, indem sie die Impfung im Büro leicht zugänglich machen. Bildquelle: istock/brightstars

Der Winter steht bevor und während die Temperaturen sinken, steigen die Corona-Infektionszahlen so rasant an wie nie zuvor. Fast 100.000 Menschen sind allein in Deutschland bislang an COVID-19 verstorben und ein Ende der Pandemie ist nicht in Sicht. Aktuell spitzt sich die Lage aufgrund stark steigender Neuerkrankungen wieder laufend zu. Und während uns die Corona-Impfung einen wichtigen Schutz vor einer Infektion bietet, könnte diese gefühlte neue Sicherheit in Bezug auf eine andere Erkrankung zum Problem werden, nämlich der Grippe.

Infektionserkrankungen auf dem Vormarsch

Nahezu unscheinbar haben die Abstandsregeln und Schutzmaßnahmen gegen COVID-19 viele andere Infektionskrankheiten spürbar eingedämmt. Wenn nun die Abstandsregeln fallen und bei 2G- und 3G-Veranstaltungen wieder hunderte oder gar tausende Menschen in geschlossenen Räumen aufeinandertreffen, bringt dies neue Gefahren mit sich: Andere Infektionskrankheiten können sich plötzlich wieder vermehrt ausbreiten. Besonders die Influenza, oder auch Grippe genannt, stellt hier ein Risiko dar, das nicht zu vernachlässigen ist: Mehr als 25.000 Menschen sind in Deutschland allein in der Wintersaison 2017/2018 daran verstorben. Im Vergleich zu den an Corona Verstorbenen macht das etwa ein Viertel aus – eine erschreckend hohe Zahl.

Die laborbestätigten Influenza-Meldungen der letzten Winter zeigen, dass die Grippefälle in den letzten Jahren vor der Corona-Pandemie wieder stark zugenommen hatten. Man geht sogar davon aus, dass die tatsächliche Zahl weitaus höher liegt. Quelle: Robert Koch-Institut: SurvStat@RKI 2.0, https://survstat.rki.de, Abfragedatum: 11.11.2021

Diesen Winter ist die Grippeimpfung besonders wichtig

Die jährliche Influenzaimpfung bietet einen recht guten Schutz gegen die Grippe. In diesem Winter könnte sie sich als besonders wichtig erweisen. Denn viele Epidemiologen glauben, dass in diesem Winter, wo Weihnachtsmärkte teils wieder stattfinden könnten und Schulen trotz Rekord-Inzidenzzahlen von COVID-19 voraussichtlich weiter offen bleiben, eine heftige Grippewelle auf uns zurollen könnte, weil das Virus in der Bevölkerung auf ein Immunsystem trifft, das im vergangenen Jahr nicht mit der Influenza konfrontiert war. Ähnliches erleben wir derzeit auch mit anderen Viruserkrankungen wie dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), das akute Atemwegsinfekte bei Babys und Kleinkindern auslöst. In Australien zeigte sich diesbezüglich schon 2020: Durch die Vorsichtsmaßnahmen war der RSV-Virus in den dort kühleren Monaten Mai bis September praktisch nicht vorhanden – in den letzten Wochen des Jahres aber schossen die Infektionszahlen dafür umso mehr in die Höhe.

Und dann ist da noch die Gefahr einer Doppelerkrankung mit COVID-19 und Influenza. Weil die letzte Grippe-Saison aufgrund der erfolgreichen Hygienemaßnahmen weitgehend ausgefallen ist, liegen bisher zwar kaum praktische Erfahrungen für eine solche Ko-Infektion vor. „Es gibt jedoch vereinzelt Berichte über schwere Erkrankungen bei einer Ko-Infektion von Influenza und SARS-CoV-2, auch wir hatten einen solchen Fall“, sagt Professor Martin Kolditz, stellvertretender Leiter der Abteilung Pneumologie an der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Dresden.

Schwangere und Menschen mit chronischen Grunderkrankungen sollten sich besonders schützen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung aktuell insbesondere für alle Menschen über 60 Jahren, Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, Personen mit verschiedenen chronischen Grunderkrankungen wie zum Beispiel Asthma, koronaren Herzerkrankungen, Diabetes oder Niereninsuffizienz, Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen sowie Menschen, die viel mit den genannten Risikogruppen zu tun haben, also Pflegende oder medizinisches Fachpersonal. Für sie alle übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Influenza-Impfung – jedes Jahr.

Warum die Influenza-Impfung jährlich nötig ist

Anders als bei den übrigen Impfungen gibt es bei der Influenza jede Wintersaison eine neue. Der Grund: Das Grippevirus mutiert vergleichsweise schnell, daher muss der Impfstoff regelmäßig angepasst werden. Nach dem jeweiligen Winter wird bereits direkt im Frühjahr ein Impfstoff für die nächste Grippesaison entwickelt. Der angepasste Impfstoff schützt dann gegen diejenigen Varianten des Influenzavirus, von denen Forscher erwarten, dass sie sich in der kommenden Saison besonders verbreiten.

Hochdosis-Impfschutz für mehr Sicherheit

Doch nicht immer treffen die Vorhersagen genau so ein. Oft zirkulieren andere Varianten, die sich leicht von denjenigen unterscheiden, gegen die der Impfstoff am wirksamsten ist. Daher schützt die Influenza-Impfung nicht vollständig, sondern nur zum Teil. Bei älteren Erwachsenen liegt die Schutzwirkung je nach Saison bei 41–63%. Doch selbst wenn man nicht vollständig geschützt ist, so hat man als Geimpfter doch einen entscheidenden Vorteil: Infiziert man sich trotzdem mit dem Influenzavirus, ist der Verlauf meist milder, zeigen Studien. Insbesondere bei den Risikogruppen ist das entscheidend fürs Überleben.

Bei älteren Personen allerdings wirken Impfungen insgesamt häufig etwas schlechter. Deshalb empfiehlt die STIKO für Menschen ab 60 in diesem Jahr zum ersten Mal einen sogenannten Hochdosis-Impfstoff. Wie der Name schon sagt, enthält er eine besonders hohe Dosis: Vier mal so viel Grippebestandteile, die das Immunsystem bei der Impfung noch effektiver trainieren sollen. „Der Influenza-Hochdosis-Impfstoff kann bei Patienten ab 60 Jahren die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhausaufnahme wegen einer Influenza-Infektion noch einmal um etwa 20 Prozent vermindern“, sagt Kolditz.

Grippe- und Corona-Impfung stehen sich nicht gegenseitig im Weg

Und was ist, wenn demnächst die nun von der STIKO offiziell für alle ab 18 Jahren empfohlene Booster-Impfung gegen COVID-19 ansteht? Oder für Spätentschlossene gar die erste Dosis? Die Impfungen stehen sich nicht gegenseitig im Weg: „Eine parallele Immunisierung gegen SARS-CoV-2 und Influenza ist möglich und bietet sich aus Praktikabilitätsgründen in vielen Fällen an“, sagt Kolditz. Und gegen beide Infektionen ist genügend Impfstoff vorhanden.

Im letzten Winter war der Influenza-Impfstoff nämlich knapp geworden, nachdem das Interesse in der Bevölkerung besonders groß war. Dieses Jahr soll das nicht geschehen: Es seien „mehr als genug“ Impfstoffe bestellt worden, ließ Gesundheitsminister Jens Spahn verlautbaren. Das bestätigen auch Meldungen des Paul-Ehrlich-Instituts: Mittlerweile stehen bereits 30 Millionen Impfdosen gegen Influenza zur Verfügung – weit mehr als im vergangenen Jahr im November. Weil es meist Mitte Dezember oder ab Januar zu den ersten größeren Grippeausbrüchen kommt, ist ein Impftermin bis Mitte Dezember ideal. Die nächsten Wochen sind also entscheidend.

Betriebsärzte/-innen können die Impfquote erhöhen und den Grippeschutz nachhaltig verbessern. Vor allem vor dem Hintergrund des vorjährigen Lockdowns könnten sich Grippefälle im bevorstehenden Winter häufen. Bildquelle: istock/SDI Productions

Angebote von Betriebsärzten und -ärztinnen steigern die Impfquote

Nicht nur in den Hausarztpraxen, auch in den Unternehmen leistet medizinisches Fachpersonal einen wesentlichen Beitrag zur Impfquote. Wenn Mitarbeitende die Möglichkeit haben, sich am Arbeitsplatz impfen zu lassen, ohne extra einen Hausarzttermin ausmachen zu müssen, ist die Hemmschwelle viel niedriger – das kann ausschlaggebend für die Entscheidung sein, sich impfen zu lassen und sich letztlich vor einer schweren Grippe zu schützen. Und: Um möglichst gut durch die Grippesaison zu kommen, bieten viele Unternehmen inzwischen auch Mitarbeitenden ohne Risikofaktoren den Piks an.

Betriebsärzte können zudem eine parallele Impfung gegen COVID-19 und Influenza anbieten. Zwar gibt es noch keinen Kombi-Impfstoff, es sind immer noch zwei einzelne Stiche – aber diese lassen sich bequem in einem Termin vor Ort in der Firma erledigen. Ein Vorteil, der das Impfen noch einfacher macht. Auch deshalb können Betriebsärzte und Unternehmen durch Impfangebote einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Impfquote zu steigern – im Hinblick auf die Influenza könnte dies in diesem Winter wichtiger sein denn je.


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Stand des Artikels: 15.11.2021
Die Autorin

Hildegard Lillin

MEDISinn Online-Redaktion
Die Autorin

Alina Nagel

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