Corona-Testmöglichkeiten für Unternehmen

Können Labor- und Schnelltests Unternehmen während der Corona-Pandemie helfen, Ihren Betrieb und Ihre Angestellten zu schützen? Ja! Wir informieren, wann und wie Sie PCR-, Antigen- und Antikörpertests sinnvoll in Ihr Corona- und Risikomanagement integrieren und warum Sie dabei auf Spezialisten vertrauen sollten. So etablieren Sie in der kalten Jahreszeit rechtzeitig eine gute Teststrategie für Ihre Arbeitnehmer/-innen.

PCR-, Antigen- und Antikörpertests sind wichtige Säulen im Corona- und Risikomanagement für Unternehmen. Wir erläutern die Unterschiede und Einsatzmöglichkeiten. Illustration: Shafin Al Asad Protic, Pixabay

Die Kalte Jahreszeit, steigende Inzidenzwerte und Todeszahlen verschärfen die gesundheitliche und wirtschaftliche Lage im Rahmen der Corona-Pandemie erneut. Das schlug sich auch im dritten Quartal 2020 deutlich im Bruttoinlandsprodukt nieder: Es ist gegenüber dem Vorjahreswert um 4 Prozent gesunken. Allerdings hatte es sich gegenüber dem Einbruch im zweiten Quartal 2020 bereits erholt. Zu Beginn der Pandemie war die Wirtschaftsleitung im Vergleich zum Vorjahresquartal insgesamt um 11,3 Prozent abgesackt – ein historisches Tief. Ein Ende von COVID-19 ist insbesondere im Winter nicht abzusehen, vor allem, da der Durchseuchungsgrad in der deutschen Bevölkerung noch als äußerst gering eingeschätzt werden muss. Das bedeutet, dass noch sehr wenig Menschen in Deutschland bereits mit SARS-CoV-2-Viren infiziert waren. Fachkreise gehen derzeit davon aus, dass bisher erst etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen SARS-CoV-2-Viren in sich tragen. Die offiziellen Statistiken bestätigen diesen Wert: Er dürfte derzeit bei etwa 2,3 Prozent liegen – über 1,9 Millionen Menschen haben sich hierzulande seit Beginn der Pandemie mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Ob und in welchem Zeitraum diese Gruppe immun gegen COVID-19 ist, bleibt weiter unklar und ist Gegenstand der Forschung.

Aufrechterhaltung des Betriebs während der Pandemie

Neben der Einhaltung der AHA+L-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, Lüften) können laut Robert Koch-Institut (RKI) Tests auf SARS-CoV-2-Viren als essentieller Bestandteil der nationalen Pandemie-Bekämpfung helfen, Corona-Herde auszuschließen oder frühzeitig zu erkennen und zu isolieren, weitere Ansteckungen zu verhindern und somit das gesamte Gesundheitssystem zu entlasten. Daher hat das Gesundheitsministerium die nationale Teststrategie seit dem 15. Oktober um Antigen-Schnelltests erweitert: Sie sollen zunächst vornehmlich im Gesundheitssektor flächendeckend und präventiv eingesetzt werden, also vor allem in Gemeinschafts- und Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Arztpraxen und Reha-Einrichtungen. Antigentests können nun etwa zum Schutz der Bewohner von Pflegeheimen auch ohne bestätigten COVID-19-Fall zum Einsatz kommen. Großflächige Schnelltests sollen auch bei Ausbrüchen in Gesundheitseinrichtungen bei allen Bewohnern, Patienten, Besuchern und dem gesamten Personal eingesetzt werden. Einem Pflegeheim sollen je Bewohner/-in bis zu 30 Antigentests pro Monat zur Verfügung stehen, um Besucher, Personal oder Bewohner zu testen.

Auch Unternehmen sollten nun verstärkt Coronatests in Ihre Pandemie-Maßnahmen einbeziehen – im Winter selbst ohne konkrete Verdachtsfälle auch zur Vorbeugung von COVID-19-Ausbrüchen unter ihren Arbeitnehmern/-innen. Beispielsweise vor unaufschiebbaren Meetings oder vor und nach Dienstreisen.

Neben den AHA+L-Regeln sind PCR- und Schnelltests auf COVID-19 zentrale Corona-Maßnahmen. Bild: Tumisu, Pixabay.

Präventives Testen als Chance für Unternehmen

Firmen stehen derzeit vor der großen Herausforderung, in der Erkältungszeit und während Lockdown-Phasen ihren laufenden Betrieb sicherzustellen und zugleich vermehrt Maßnahmen zum Schutz ihrer Mitarbeiter/-innen vor COVID-19 zu ergreifen. Im Rahmen ihres Corona-Managements lohnt es sich jetzt vor allem, auch die Möglichkeiten von COVID-19-Tests zu prüfen. Gezieltes präventives Testen kann vor und nach Dienstreisen sinnvoll sein oder die Sicherheit im Rahmen von Meetings, Konferenzen oder Firmenveranstaltungen erhöhen. Sobald Mitarbeiter/-innen Erkältungssymptome haben oder in Kontakt zu infizierten Personen innerhalb oder außerhalb des Betriebs standen, sollten in jedem Fall schnellstmöglich Tests im direkten und/oder erweiterten Umfeld des/der Mitarbeiters/-in erfolgen. Infrage kommen PCR-Labortests als derzeit vom RKI empfohlener Goldstandard bei der Identifikation von SARS-CoV-2-Erregern. Diese Tests müssen in Speziallaboren in einem relativ aufwendigen Verfahren ausgewertet werden. Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.) weisen darauf hin, dass PCR-Testkapazitäten daher nicht beliebig nach oben hin skalierbar sind. Immer wieder stoßen die Labore an die Grenzen ihrer Kapazitäten und beklagen bei sehr hoher Auslastung auch einen zunehmenden Mangel an Testreagenzien und -materialien. Vieles spricht dafür, dass sich diese Engpässe je nach Ausgangslage in der Erkältungssaison weiter verschärfen oder zumindest bestehen bleiben.

Antigen-Tests zur Prävention von COVID-19-Ausbrüchen in Betrieben

In bestimmten Fällen können Unternehmen nicht laborgestützte Antigen-Schnelltests als Akutmaßnahme nutzen, um Corona-Herde unter ihren Arbeitnehmern/-innen zu verhindern oder bei Einzelfällen im Keim zu ersticken. In diesem Sinn empfiehlt beispielsweise auch der Virologe Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle und eine der Koryphäen auf dem Gebiet der Virologie, solche Testvarianten. Richtig eingesetzt, können sie helfen, Speziallabore zu entlasten. Es kämen dort wesentlich weniger PCR-Tests zur Auswertung an und man könnte sich auf konkrete Verdachtsfälle konzentrieren, die eine akute Symptomatik aufweisen, direkten Kontakt mit einer an COVID-19 erkrankten Person hatten, aus Risikogebieten zurückgekehrt sind oder in Schnelltests positive Ergebnisse hatten. Gemäß der nationalen Teststrategie von RKI und Bundesregierung haben Tests bei Verdachtsfällen oder nachgewiesenen Infekten mit COVID-19 in Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und -gärten, Schulen, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Einrichtungen von vornherein oberste Priorität bei der PCR-Testung und werden bei Engpässen in Laboren priorisiert ausgewertet.

Professionelles Testmanagement für Unternehmen

Schon vor Verdachtsfällen oder einem COVID-19-Ausbruch in der kalten Jahreszeit sollten Betriebe im Rahmen ihrer Corona-Risikostrategie die Möglichkeiten gezielter Tests für ihre Arbeitnehmer/-innen in Erwägung ziehen und zusammen mit Spezialisten planen sowie durchführen. Zentral ist es, Tests auf SARS-CoV-2-Erreger nur von medizinisch geschultem Fachpersonal durchführen zu lassen, das in engem Kontakt zu Fachlaboren und Betriebsmedizinern/-innen steht. Nur Experten können bei positiven Ergebnissen schnell und umfassend zu weiteren Testungen oder medizinischen Maßnahmen beraten und das Ansteckungsrisiko beim Testen minimieren.

Sichere Probenentnahme und -transport

Während der Probenentnahme sind umfassende Arbeitsschutzmaßnahmen zu beachten: Der Test sollte aufgrund der aktuellen Empfehlungen des Ausschusses für biologische Arbeitsstoffe des Bundesarbeitsministeriums direkt an der Stelle der Abstrich-Entnahme von medizinisch geschultem Fachpersonal mit geeigneter Schutzkleidung und -ausrüstung durchgeführt werden. Probleme bei der Probenentnahme, der Hygiene und dem Transport können zu Fehlern führen, die meistens falsch-negative Testergebnisse nach sich ziehen.

Das Testmaterial gilt als infektiöses Material, weshalb der Probentransport und die Abarbeitung im Labor ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen wie etwa eine Sicherheitswerkbank (Laminar flow) nicht möglich sind. Die Proben dürfen während des Transports bestimmte Temperaturen nicht übersteigen und müssen innerhalb eines festen Zeitfensters im Labor ankommen. Zuletzt muss das Testmaterial in einem gesonderten Biohazard-Behälter entsorgt werden.

In Kooperation mit einem professionellen Gesundheitsdienstleister lassen sich all diese Richtlinien einhalten. Nur unter diesen Bedingungen können Betriebe Tests im Rahmen ihrer laufenden Corona-Risikobewertung entsprechend gezielt für ihre Arbeitnehmer/-innen planen, korrekt vornehmen und rasch auswerten lassen.

Die Autorin

Hildegard Lillin

MEDISinn Online-Redaktion
Die Autorin

Lucia Walter

MEDISinn Online-Redaktion

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