Psychische Gefährdungsbeurteilung, wozu?

Die Psychische Gefährdungsbeurteilung kostet zuerst, spart einem Unternehmen zukünftig jedoch viel Geld ein!

Psychische Gefährdung

Was nutzt meinem Unternehmen die Psychische Gefährdungsbeurteilung eigentlich und warum ist sie notwendig? Lohnen sich die Kosten? In diesem Artikel klären wir oft gestellte Fragen über die Psychische Gefährdungsbeurteilung.

Was ist die psychische Gefährdungsbeurteilung?

Die Psychische Gefährdungsbeurteilung ist ein Werkzeug, um die betrieblichen Arbeitsschutzmaßnahmen zu steuern. Ziel ist es, psychische Belastungsfaktoren zu identifizieren, zu analysieren und zu reduzieren. Seit 2014 ist die Durchführung der Psychischen Gefährdungsbeurteilung laut Arbeitsschutzgesetz Pflicht. Alle deutschen Unternehmen sind gesetzlich dazu verpflichtet, die psychischen Arbeitsbelastungen ihrer Mitarbeiter zu beurteilen und entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen zu ergreifen und umzusetzen (§ 4 & 5 ArbSchG).

Im Falle einer psychischen Erkrankung eines Mitarbeiters drohen dem Arbeitgeber Bußgelder und Schadensersatzforderungen für entstandene Therapiekosten, sofern er keine zuvor durchgeführte Psychische Gefährdungsbeurteilung nachweisen kann. Dies gilt insbesondere auch, wenn der Arbeitgeber auf die Verpflichtung hingewiesen wurde und dieser nicht nachgekommen ist. Nach §110 SGB VII sind die Sozialversicherungsträger berechtigt, Regress für solche Schäden zu verlangen, die durch grob fahrlässiges Handeln zustande gekommen sind. Es empfiehlt sich daher die Psychische Gefährdungsbeurteilung alle 1,5-2 Jahre zu wiederholen, da sich die Arbeitsbedingungen schnell ändern und die Gefährdungsbeurteilung den aktuellsten Stand erfassen soll.

Was bringt die Psychische Gefährdungsbeurteilung meinem Unternehmen?

Die Studie "Wirksamkeit und Nutzen betrieblicher Gesundheitsförderung und Prävention", zeigt, dass sich für jeden in die Gesundheitsförderung investierten Euro zwei bis fünf Euro an anderer Stelle indirekt einsparen lassen (Initiative Gesundheit & Arbeit, 2008). Ein gesunder Arbeitnehmer hat weniger Arbeitsunfähigkeitstage und kostet dem Unternehmen dadurch weniger. Außerdem ist er motivierter und leistungsfähiger. In jedem Fall profitieren also sowohl Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber. Heutzutage sind psychische Erkrankungen übrigens ein Hauptgrund für Arbeitsunfähigkeitstage und nehmen immer mehr zu. Wer nicht psychisch gesund ist, kann heutzutage im Arbeitsalltag dem Druck nicht standhalten und sich weder fachlich noch persönlich weiterentwickeln (psyGA, 2019).

Sind psychische Erkrankungen wirklich so häufig?

Psychische Störungen sind mit 17% die zweithäufigste Ursache von Arbeitsunfähigkeit, direkt hinter den Muskel- und Skeletterkrankungen. Wenn ein Mitarbeiter an einer psychischen Störung erkrankt, dann ist er im Schnitt für ca. 40 Tage arbeitsunfähig. Das ist die längste Ausfallzeit, sogar vor Neubildungen und Herz-Kreislauf-Problemen. Diese Ausfallzeit ist ca. viermal so hoch wie die durchschnittlich gemessenen 13,2 AU-Tage pro Erkrankung und Mitarbeiter (BKK, 2018). Die Kosten für die Wirtschaft und Unternehmen sind enorm. Diese betragen in Deutschland allein für psychische Erkrankungen 44,4 Milliarden Euro pro Jahr (Destatis, 2017).

Wie kann die Psychische Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden?

Zur Durchführung der Psychischen Gefährdungsbeurteilung gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Es gibt Analyseworkshops, Beobachtungsinterviews oder Mitarbeiterbefragungen. Sie liefern jeweils verschiedene Erkenntnisse und verfügen über unterschiedliche Stärken, Grenzen und Voraussetzungen.

Bei Analyseworkshops wird die psychische Belastung der Arbeit von den Beschäftigten, den Führungskräften und fachkundigen Experten beurteilt. Hierfür muss eine vertrauensvolle Atmosphäre gegeben sein. Durch die offene Gruppendiskussion kommt es einerseits schnell zu verzerrten Aussagen, anderseits ist eine starke Bezugnahme auf die Erfahrungen der Mitarbeiter möglich. Das lohnt sich besonders, wenn Problemfelder schon bekannt sind und Lösungen gefunden werden sollen.

Bei Beobachtungsinterviews beurteilen geschulte Personen die psychische Belastung der Tätigkeit und führen ergänzend Interviews durch. Hier entsteht ein großer zeitlicher Aufwand und die Beobachtbarkeit der psychischen Belastung muss gegeben sein. Es ermöglicht die Erfassung der psychischen Belastung unabhängig vom Erleben der Beschäftigten.

Bei Mitarbeiterbefragungen geben Beschäftigte in standardisierten Fragebögen ihre Einschätzung zur Ausprägung der psychischen Belastung ihrer Arbeit an. Zur Sicherung der Anonymität sollte die Mitarbeiteranzahl nicht zu gering sein. Außerdem kann die Dauer der Durchführung je nach Länge des Fragebogens variieren. Viele Anbieter der Psychischen Gefährdungsbeurteilung bieten lange Papierfragebögen an, die viel Zeit kosten und meistens zu schlechten Rücklaufquoten führen. Ein kurzer Fragebogen bietet von allen aufgeführten Methoden den sichersten Weg zu einer schnellen Durchführung und damit auch zu einer sehr hohen Teilnahmerate.
Außerdem wird durch Fragebögen das Erfassen eines breiten Spektrums an Belastungsfaktoren ermöglicht (GDA, 2017).

Kann ich die Psychische Gefährdungsbeurteilung extern und intern durchführen?

Die Psychische Gefährdungsbeurteilung kann intern – von Fachleuten aus dem eigenen Unternehmen – durchgeführt werden und bietet eine günstigere Alternative zur Durchführung durch externe Unternehmen. Außerdem bleiben unternehmenseigene Daten im Unternehmen und dringen nicht durch Externe nach außen. Jedoch stellt sich die interne Durchführung oft als großer Verbrauch personeller und zeitlicher interner Ressourcen heraus. Außerdem kann wiederum bei Arbeitnehmern die Angst durch Manipulation der Befragungsergebnisse durch den Arbeitgeber und fehlende Anonymität entstehen.

Zusammenfassend gesagt steuert die Psychische Gefährdungsbeurteilung betriebliche Arbeitsschutzmaßnahmen. Sie identifiziert, analysiert und reduziert durch angepasste Folgemaßnahmen psychische Belastungsfaktoren. Seit 2014 ist jedes Unternehmen verpflichtet die Psychische Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Psychische Erkrankungen treten heute immer häufiger auf und bringen viele AU-Tage mit sich. Zwar kosten die Psychische Gefährdungsbeurteilung und die Folgemaßnahmen, jedoch spart das zukünftig viel Geld. Denn jeder in die Gesundheitsförderung investierte Euro spart zwei bis fünf Euro an einer anderen Stelle im Unternehmen. Die Methoden zur Durchführung sind Analyseworkshops, Beobachtungsinterviews oder Mitarbeiterbefragungen und zeigen alle ihre Stärken und Grenzen. Die meisten Vorteile bietet die Mitarbeiterbefragung durch Fragebögen. Diese Methode ermöglicht: eine schnelle Durchführung, das Erfassen eines breiten Spektrums an Belastungsfaktoren und Einbeziehung aller Beschäftigten. Außerdem eignet sie sich insbesondere für den Überblick und die Bestimmung von Problemschwerpunkten.

Wir von MEDISinn zeigen seit mehreren Jahren ausgezeichnete Expertise bei der Durchführung von Psychischen Gefährdungsbeurteilungen und haben mit unserem digitalen PGB.online-Fragesystem eine schnelle Methode entwickelt, um psychische Belastungen Ihrer Mitarbeiter frühzeitig zu erkennen. PGB.online wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem 1. Platz beim deutschen BGM Förderpreis 2018. Wenn Sie Unterstützung bei der Durchführung, oder bei Folgemaßnahmen der Psychischen Gefährdungsanalyse brauchen, unterstützen wir Sie gerne.

Die Autorin

Luisa Krüger

Seit 2019 in der MEDISinn-Redaktion tätig.

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