Die (Gesundheits-)Situation in Krankenhäusern und der Zustand der Pflege

Viel zu wenig Pflegepersonal, steigende Fluktuation und kranke Mitarbeiter/innen. So sieht es in Krankenhäusern heute aus.

Leere Betten und abgesagte Operationen durch Mangel an Pflegepersonal.

Laut Pflegedirektor (Thomas van den Hooven) des Universitätsklinikums Münster können 120 der 2000 Vollzeitstellen im Pflegedienst nicht besetzt werden. Stand 2017 arbeiten in deutschen Krankenhäusern 161.208 Ärzte, 733.193 Personen als nichtärztliches Personal und hiervon 328.327 Personen im Pflegedienst (dkgev, 2018). Das hört sich zunächst nach viel Personal an, jedoch herrscht ein dramatischer Pflegemangel im Krankenhauswesen. Umgerechnet fehlen 20.957 Pflegekräfte in Deutschland. Das hat zur Folge, dass Betten nicht belegt werden können und Operationen abgesagt werden müssen.

Nicht nur der Pflegekräftemangel, sondern auch der Krankenstand ist hoch in der Pflege. In der Altenpflege sogar der Zweithöchste aller Berufsgruppen. Altenpfleger/innen fallen im Schnitt 31 Tage pro Jahr krankheitsbedingt aus. Auch der Krankenstand der Kranken- und Fachkrankenpflegeberufe ist mit 27 AU-Tagen im Jahr in den TOP-10 der Krankenstandsstatistik gelistet (Barmer, 2018).

Da die Zahl der Pflegekräfte immer mehr sinkt und der Krankenstand hoch ist, kommt es zu einer Arbeitsverdichtung, durch die noch mehr Pflegekräfte aus dem Beruf aussteigen. Die Mitarbeiter sind chronisch gestresst und die Fluktuation wird immer größer. Verzweifelt auf der Suche nach Pflegekräften werden schon in Rente gegangene Pflegekräfte oder Pflegekräfte, die das Krankenhaus verlassen haben, gebeten, zurückzukehren. Auch Pflegekräfte aus dem Ausland werden vermehrt eingesetzt. „Wir brauchen strukturelle Veränderungen und darin eine deutliche Stärkung der Pflege. Zusammen mit den anderen Berufsgruppen müssen wir uns überlegen, wie wir die Aufgaben besser verteilen können.“ fasst Pflegedirektor Hooven treffend zusammen (Dtsch Arztebl, 2018).

Gegen das Problem der fehlenden Pflegekräfte gibt es erste Versuche. Das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz – PpSG soll den Alltag der Pflegekräfte verbessern. Es sollen eine bessere Personalausstattung und bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden. „Ab dem 01.01.2019 können Krankenhäuser und stationäre Pflegeeinrichtungen neues Pflegepersonal einstellen. Denn wir stellen sicher, dass die Krankenkassen 13.000 Pflegestellen in der Altenpflege und jede zusätzliche Pflegestelle im Krankenhaus finanzieren.“ verspricht Gesundheitsminister Jens Spahn (Bundesministerium für Gesundheit, 2019).

Die Probleme werden nun zwar angegangen, jedoch muss die Gesundheit von Pflegekräften in Krankenhäusern deutlich gefördert werden, denn gerade diese sind psychisch und körperlich stark belastet. Durch das PpSG sind die Krankenkassen nun verpflichtet, zusätzlich über 70 Mio. Euro im Jahr speziell für betriebliche Gesundheitsförderung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen auszugeben. 3,15 Euro jährlich je Versichertem ist nun der gesetzliche Mindestausgabewert. Das sind bei den oben genannten 328.327 Pflegekräften in Deutschland, 1 Euro mehr als bisher pro Kraft, was 328.327 Euro jährlich zusätzlich für gesundheitsförderliche Maßnahmen bedeutet (Bundesministerium für Gesundheit, 2019). Das Geld kann zum Beispiel für die Durchführung der Psychischen Gefährdungsbeurteilung verwendet werden, da oft unklar ist, wo überhaupt Gefährdungen vorliegen.

Mehr Gesundheitsförderung in der Pflege führt zu deutlich zufriedeneren und motivierteren Mitarbeitern, was auch den Patienten zu Gute kommt. Außerdem sinkt die Fluktuation, was wiederum Geld einspart. Dieses kann dann erneut für die Förderung eingesetzt werden. Eine kritische Krankenhaus-Pflegesituation kann sich so deutlich verbessern.

Wir von MEDISinn engagieren uns schon länger für eine bessere Arbeitssituation in Kranken- und Pflegehäusern. Für das Projekt "Psychische Gesundheit 4.0 in der modernen Arbeitswelt von Kliniken" mit der Klinik am schönen Moos aus Bad Saulgau wurden wir 2018 mit dem 1. Platz des DEUTSCHER BMG FÖRDERPREIS ausgezeichnet.

Wir bringen Gesundheit zu den Pflegekräften in Krankenhäuser. Kontaktieren Sie uns einfach bei Interesse.

Die Autorin

Luisa Krüger

Seit 2019 in der MEDISinn-Redaktion tätig.
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